Prognose 2004: Spielraum für höhere Preise begrenzt

Der Bestandsabbau am Rindermarkt wird sich 2004 fortsetzen. Darauf deuten zumindest die letzten Viehzählungsergebnisse hin. Auch der Preiseinbruch bei Jungbullen im Sommer 2003 und die Diskussionen um eine Entkoppelung der Rinderprämien fördern nicht gerade die Aufstallbereitschaft der Mäster. Hinzu kommt die schlechte Versorgung mit Winterfutter nach dem „Jahrhundertsommer“ 2003. Der Rückgang der Rindfleischerzeugung wird sich 2004 aber voraussichtlich etwas abschwächen und nicht mehr so drastisch wie 2003 ausfallen. Dem geringeren Angebot aus heimischer Erzeugung dürfte eine stetige Nachfrage auf niedrigem Niveau gegenüber stehen.

Der Rindfleischverbrauch wird noch unter dem Niveau der „Vor-BSE-Zeit“ bleiben, zumal die Konkurrenzprodukte Schweine- und Hühnerfleisch preiswerter sind, was sich in ökonomisch schwierigen Zeiten besonders bemerkbar macht. Zudem wird ein immer größerer Teil des heimischen Marktes von ausländischen Anbietern beliefert, die sowohl aus der EU als auch aus Südamerika kommen: Marktanteile gehen verloren, und der Selbstversorgungsgrad sinkt. Günstig auf die Preissituation wird sich auswirken, dass die in der BSE-Krise aufgebauten Interventionsbestände nahezu verschwunden sind und kaum Lagerware vorhanden ist. Nachteilig könnte sich auswirken, dass in Großbritannien ab dem Frühjahr wieder über 30 Monate alte Tiere vermarktet werden dürfen, wodurch die Produktion auf der Insel um bis zu 20 Prozent steigen könnte. Insgesamt ist bei Jungbullen und Schlachtkühen zu Jahresbeginn mit niedrigeren Preisen als 2003 zu rechnen; im weiteren Verlauf könnte die Vorjahreslinie aber durchaus ein wenig überschritten werden.

Nach dem Produktionsanstieg 2003 dürfte die Schweinefleischerzeugung 2004 in Deutschland und in der EU leicht rückläufig sein, aber ein hohes Niveau behalten. Die niedrigen Erzeugerpreise und die unbefriedigende Gewinnsituation der Mäster haben sicher mehr als einmal bestehende Expansionspläne beschränkt.
Auch die Nachwirkungen des „Jahrhundertsommers 2003“ sprechen eher für eine sinkende Erzeugung. Denn aufgrund der Sommerhitze wird das Ferkelangebot zu Jahresbeginn wohl nur unterdurchschnittlich groß ausfallen.


 

Dies könnte dann im Frühjahr zu einer Verknappung des Schlachtschweineangebots führen, und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen EU-Ländern. Der Verbrauch, immer auch ein wenig wetterabhängig, dürfte nach dem Zuwachs 2003 zumindest stabil bleiben, vielleicht bei anziehender Konjunktur und niedrigen Verbraucherpreisen moderat zulegen.

Als schwierig ist weiterhin die Exportsituation einzustufen. Die Handelsbeschränkungen beim Export nach Japan und Russland werden bestehen bleiben, die Konkurrenz zu brasilianischen und zunehmend auch kanadischen Anbietern ebenfalls. Der Euro dürfte gegenüber dem US-Dollar aber nicht noch einmal 20 Prozent aufwerten, so dass sich die Währungsrelation nicht viel ungünstiger als dieses Jahr darstellen sollte.

Insgesamt gesehen könnten sich dann die Schweinepreise 2004 gut behaupten und durchaus einige Cent über dem niedrigen Niveau des Jahres 2003 liegen, was auch nötig sein wird, um die höheren Kosten für Futter und Ferkel auszugleichen. Insbesondere im Frühjahr dürften höhere Preise als 2003 zu erzielen sein, da das Schlachtschweineangebot voraussichtlich kleiner ausfallen wird und im nächsten Jahr auch keine Mengen aus der privaten Lagerhaltung zu verkraften sind.

Große Unbekannte bleibt der Beitrittseffekt der neuen EU-Länder. Insbesondere Polen und Ungarn sind potentielle Exporteure für den europäischen Markt. Zwar ist wohl erst nach und nach mit steigenden Importen an Lebendvieh und Fleisch aus diesen Staaten zu rechnen; in grenznahen Regionen könnte sich der Handel aber relativ rasch intensivieren.

Quelle: http://www.zmp.de

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