Starke Preisschwankungen

Der Abbau der Rinderbestände in Deutschland setzte sich 2003 mit unveränderter Geschwindigkeit fort. Parallel dazu ging die Rindfleischerzeugung merklich zurück. Der Rindfleischverbrauch erreichte bestenfalls das Vorjahresniveau. Für Jungbullen erzielten die Landwirte im Schnitt niedrigere Preise als 2002, für Schlachtkühe höhere. Der Schlachtschweinemarkt zeigte sich unberechenbar mit unerwarteten Preistälern und -höhen.
 

Rindfleischerzeugung bricht ein

Die Ergebnisse der Viehzählung vom Mai wiesen einen Rückgang der Rindviehbestände in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent aus, die Zahl der Rindvieh haltenden Betriebe sank sogar um fast 5 Prozent. Die Milchviehbestände verringerten sich um 1,4 Prozent.

Parallel zur Entwicklung der Tierbestände nahm auch die Fleischerzeugung merklich ab. Nach vorläufigen Berechnungen wird die Bruttoeigenerzeugung an Rindfleisch um bis zu 10 Prozent niedriger ausfallen als 2002. Der geringeren Rindfleischproduktion standen zwar gestiegene Importe und rückläufige Ausfuhren gegenüber, der Rindfleischverbrauch erreichte 2003 nach vorläufigen Berechnungen jedoch bestenfalls das Vorjahresniveau.

Belastet wurde der Markt durch rund 40.000 Tonnen Rindfleisch aus deutschen Interventionsbeständen, die im In- und Ausland zu platzieren waren. Diese Ware fand regen Zuspruch bei der Fleisch verarbeitenden Industrie. Auch EU-weit waren die Interventionsläger bis Ende Oktober nahezu geräumt.

Stark rückläufig entwickelten sich die Exporte nach Drittländern. Insbesondere Russland, der Hauptabnehmer für deutsches Rindfleisch, importierte deutlich weniger als im Vorjahr. Verantwortlich dafür waren zum einen neu festgelegte Importquoten durch die russische Administration; zum anderen bremste der starke Euro die Exporterlöse.

Die Erzeugerpreise für Jungbullen zogen im ersten Quartal des zu Ende gehenden Jahres deutlich an und bewegten sich rund 20 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Ab Mitte März setzte jedoch ein kräftiger Preisrückgang aufgrund begrenzter Vermarktungsmöglichkeiten im In- und Ausland ein. Im Juli wurde dann die Vorjahreslinie unterschritten. Auch bis zum Jahresende dürften die Notierungen für Jungbullen das Ergebnis von 2002 nicht erreichen, obwohl im November und Dezember wieder mit festeren Tendenzen zu rechnen ist.

 

Im Gegensatz zum Jungbullenbereich werden die Erzeugerpreise für Schlachtkühe das Ergebnis von 2002 übertreffen können, und zwar um schätzungsweise rund 10 Cent je Kilogramm.

Bis Mitte 2003 lagen die Notierungen für Schlachtkühe deutlich über der Vorjahreslinie und dürften diese bis zum Jahresende nur unwesentlich unterschreiten.
 

 


Achterbahnfahrt der Schweinepreise

Der Schlachtschweinemarkt zeigte sich einmal mehr von seiner unberechenbaren Seite. Dabei war der Start aus Sicht der Schweinemäster recht vielversprechend: Schlachtreife Schweine standen bis Mitte Februar nur knapp ausreichend zur Verfügung und konnten sehr reibungslos bei den Schlachtunternehmen platziert werden. Dies führte zu einem kontinuierlichen Preisanstieg. Mit dem Monatswechsel Februar/März setzte aber ein kräftiger Preisverfall ein. Bei verhaltener Nachfrage der Konsumenten, damit verbundenen mühsamen Fleischgeschäften und gleichzeitig steigenden Angebotszahlen auf der Lebendseite sackten die Notierungen für Schlachtschweine nach einer kurzen Konsolidierung im Mai auf den Jahrestiefststand von unter 1,20 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Der Rückstand zum Vorjahr betrug zu dieser Zeit rund 15 Cent je Kilogramm. Dieser Preisverfall war jedoch nicht nur in Deutschland, sondern auch im benachbarten Ausland zu beobachten.

Zu einem für viele Marktbeteiligte überraschend starken Preisanstieg kam es mit dem Ende der Sommerferien. Die ungewöhnlich heißen Temperaturen während der Sommermonate führten zu sehr geringen Tageszunahmen bei den Schlachtschweinen. Der damit verbundene Angebotsrückgang traf auf eine lebhafte Nachfrage nach Schweinefleisch, denn das Ferienende sorgte für starken Nachholbedarf, und die nicht mehr so hohen Temperaturen stimulierten den Appetit der Verbraucher. In dieser Phase übertrafen die Notierungen für Schlachtschweine erstmals seit Jahresbeginn das Niveau von 2002 und erreichten fast die Marke von 1,50 Euro je Kilogramm. Die Euphorie war jedoch nurvon kurzer Dauer, denn ab der zweiten Septemberhälfte konnte das wieder reichliche Schweineangebot nur mit Preisabschlägen am Markt platziert werden.

Im November und Dezember könnte die Schweinefleischnachfrage aus jetziger Sicht mit Blick auf die Feiertage leichte Impulse erhalten; das Preisniveau für Schlachtschweine dürfte bis zum Jahresende in der Nähe der Vorjahreslinie liegen. Im Schnitt werden die Schweinepreise 2003 das Vorjahresergebnis aber nicht erreichen. Tiere der Fleischhandelsklasse E dürften im Jahresmittel rund 1,28 Euro je Kilogramm bringen. Der Abstand zum Vorjahr betrüge damit 7 bis 8 Cent.

Ein Grund dafür ist sicherlich im Anstieg der Schweinefleischerzeugung zu sehen. Gegenüber dem Vorjahr dürften rund 2 Prozent mehr Schweinefleisch erzeugt und mit 4,2 Mio. t ein neuer Produktionsrekord erzielt worden sein.

Quelle: http://www.zmp.de

top